Donnerstag, 19. März 2009

Plötzliche USD-Schwäche erschüttert den Markt

Investoren wandten sich gestern fluchtartig vom Dollar ab, nachdem die US-Notenbank eine Lockerung der Geldmarktpolitik - was auf das Drucken von neuem Geld hinausläuft - bekannt gab, um damit der US-Wirtschaft hoffentlich bis Anfang kommenden Jahres wieder auf die Beine zu helfen. Nach solch einem drastischen Kursverlust haben Händler nunmehr die Gelegenheit eine neue Handelsspanne für den USD auszuloten und werden das wohl auch für den Rest dieser Woche tun. Sobald er sich jedoch stabilisiert hat dürfte der USD durchaus wieder im Wert steigen und in den kommenden Wochen auch wieder seinen Safe-Hafen-Status zurückerlangen.


Wirtschafts News

USD
Dollar auf Talfahrt nach Bekanntwerden von US-Notenbank-Plan


Aufgrund von Spekulationen, dass die US-Notenbank plane den US-Dollar abzuwerten, verzeichnete der Kurs des Dollar am Mittwoch einen kräftigen Rückgang und erreichte, verglichen zum EUR den tiefsten Stand seit 2 Monaten. Die Notenbank gab bekannt, dass sie vorhabe in den kommenden 6 Monaten langfristige US-Bundesanleihen im Wert von $300 Mrd. aufzukaufen um die US-Wirtschaft anzukurbeln. Diese Maßnahme trägt allerdings aber auch zum Ausverkauf des Dollar bei. Folglich dürfte, wenn die US-Notenbank den Markt mit Dollar überschwemmt, dieser mit weiteren Kursverlusten zu rechnen haben. Somit wird der Dollar seinen Reiz als Safe-Hafen-Währung verlieren, sich weiter abschwächen und in den kommenden Tagen eventuell sogar bis auf $1,37 zum EUR absinken. Der Dollar handelte gestern bei $1,3485 zum EUR nachdem er bis zu 3,6% verloren hatte, den größten Rückgang innerhalb eines Tages seit September 2000! Zuvor stand der Dollar bei $1,3535, dem niedrigsten Wert seit dem 9. Januar. Zum JPY verlor der USD bei gestrigen Handel 2,4% und fiel auf 95,69 Yen und zum britischen Pfund Sterling 1,2% auf $1,4224. Diese überraschend heftige Maßnahme der US-Notenbank folgt dem Beispiel der Zentralbanken Großbritanniens, Japans und der Schweiz, welche eine Art Lockerung der Geldmarktpolitik einführten, wonach die Bankensysteme mit Geldmitteln voll gepumpt werden um Kreditaufnahmen zu erleichtern, da die Zinssätze sich schon nahe 0% befinden. Der Offenmarktausschuss (FOMC) erklärte gestern, dass die US-Notenbank vorhabe langfristige US-Bundesanleihen und zusätzliche Hypotheken gesicherte Wertpapiere im Wert von $750 Mrd. aufzukaufen, eine Maßnahme die eine Lockerung der Geldmarktpolitik bedeutet. In einer Bekanntgabe am Ende ihres zweitägigen Treffens ließ die US-Notenbank verlauten, dass sie, was die wirtschaftlichen Aussichten betrifft, eher pessimistisch sei. So wurde aus der Veröffentlichung der Passus gestrichen: ‚man erwarte eine wirtschaftliche Besserung später im Verlauf des Jahres'.Einige Experten vertreten jedoch die Meinung, die Schwäche des Dollar werde aufgrund der sich verschlechternden weltweiten wirtschaftlichen Gegebenheiten nicht lange anhalten. Sie glauben, dass der Dollar in Zeiten weltweit schrumpfenden Wirtschaftswachstums auch weiterhin als sichere Wertanlage betrachtet werden wird und er als konsolidierende Währung außerhalb Europas während der derzeitigen Krise Halt gibt. Die Rückkehr von Investoren zu Risikovermeidung und die Lockerung der Geldmarktpolitik der Zentralbanken wird die Suche nach Safe-Hafen-Anlagen verstärken und könnte dem Dollar über kurz oder lang noch in diesem Jahr zu seinem fairen Wert von $1,20 verhelfen.

EUR
EUR aufgrund der Dollar-Schwäche im Aufwind


Nachdem die US-Notenbank ihre Absicht bekannt gegeben hatte US-Bundesanleihen aufzukaufen und die Europäische Zentralbank (EZB) sich zögerlich zeigte einem solchen Schritt der US-Notenbank zu folgen, stieg der Kurs des EUR im Vergleich zum USD gestern auf den höchsten Wert in fast neun Jahren. Der EUR handelte bei $1,3493 und damit um 3,7% höher, dem größten Zuwachs innerhalb eines Tages seit dem Jahr 2000.Experten erwarten, dass der EUR fürs Erste übers Ziel hinausschießen dürfte und sich der EUR/USD-Kurs auf $1,40 zu bewegt. Auch zum JPY erreichte der EUR seinen höchsten Stand seit drei Monaten und stieg auf über 130,00 Yen. EZB-Präsident Trichet sagte, die Zentralbank prüfe derzeit ob weitere begleitende Maßnahmen durchgeführt werden sollten, die aber nicht zwangsläufig denen der anderen Zentralbanken entsprechen müssen. Gegenwärtig liegt der Leitzinssatz der EZB bei 1,5% gegenüber den 0,1% in Japan und fast Null Prozent in den USA. Wirtschaftswissenschaftler erwarten, dass die EZB nach den Maßnahmen der US-Notenbank nun doch ähnliche Lockerungen der Geldmarktpolitik wird durchführen müssen und dass eine entsprechende Bekanntgabe durchaus schon beim nächsten Treffen der EZB Anfang April erfolgen könnte. Zum britischen Pfund Sterling stieg der EUR mit 94,16 Pence auf seinen höchsten Wert seit 7 Wochen, nachdem ein Regierungsbericht veröffentlicht wurde wonach die Arbeitslosigkeit in Großbritannien im Februar in einem solchen Maße gestiegen ist wie seit 1971 nicht mehr. Der Markt ist immer noch sehr besorgt über die Lage der britischen Wirtschaft, und Experten vermuten, dass es im Immobilien- und Banken-Sektor noch weitere Probleme geben werde. Wirtschaftswissenschaftler sagen voraus, dass die britische Wirtschaft noch schrumpfen wird wenn die meisten der G7-Wirtschaften sich bereits auf dem Weg der Besserung befinden.

JPY
Yen bleibt schwach, da BoJ Leitzinssatz nicht ändert


Die Bank of Japan (BoJ) gab bekannt sie würde nahezu ein Drittel der Regierungsanleihen von Banken aufkaufen, dadurch Geldmittel der Wirtschaft zuführen und somit dazu beitragen die schwerste Rezession seit dem 2. Weltkrieg zu bekämpfen. Die japanische Zentralbank hielt am Mittwoch den Leitzinssatz mit 0,1% unverändert, gab aber gleichzeitig zu verstehen, dass die Wirtschaft im neuen Steuerjahr weiterhin unter großem Stress stehen würde und dass es erheblicher Liquidität bedarf um Stabilität in die Finanzmärkte zu bringen.Der Verkauf des Yen verlief begrenzt, doch verhinderte die Rückführung von Mitteln durch japanische Investoren, kurz vor Ablauf des Fiskal-Jahrs Ende diesen Monats, dass der Kurs der Währung zu sehr fiel. Im Vergleich zum EUR stabilisierte sich der Yen ein wenig, blieb aber schwach, während der EUR nahe seinem früheren höchsten Stand seit 11 Wochen von 128,83 verblieb. Nachdem der Dollar nach der Bekanntgabe der US-Notenbank bezüglich der Lockerung der Geldmarktpolitik Kurseinbrüche hinnehmen musste, stieg der JPY zum USD erheblich und handelte um die 95,50. Die BoJ verkündete sie werde den Leitzinssatz bei 0,10% belassen und die Ausgaben zum Aufkaufen japanischer Regierungsanleihen von 1,4 Billionen Yen im Monat auf 1,8 Billionen ($18,28 Mrd.) erhöhen. Die Reaktion des JPY auf diese Bekanntmachungen waren allerdings nur sehr gering, da bereits andere Zentralbanken, vorrangig die der UK und der Schweiz, bereits aggressive Lockerungen der Geldmarktpolitik angekündigt hatten.

Rohöl
Rohölpreis macht Verluste wett


Nach die überraschende Bekanntgabe der US-Notenbank sie werde US-Bundesanleihen aufkaufen die Hoffnung aufkeimen ließ die gebeutelte US-Wirtschaft könne sich bald auf den Weg der Genesung begeben, stieg der Rohölpreis am Donnerstag um mehr als 2% auf über $50 pro Barrel. Der Anstieg des Ölpreises wurde auch durch den Kursverlust des USD begünstigt, der den größten Rückgang in Prozentpunkten seit 1985 zu verzeichnen hatte. Die Bemühungen der US-Notenbank das Kreditgeschäft wieder zu beleben bewirkten hingegen einen starken Rückgang der Zinssätze an den Märkten.Die US-Notenbank verblüffte am Mittwoch die Märkte mit ihrer Bekanntgabe, sie werde mit dem seit den1960ern erstmaligem Aufkaufen von langfristigen US-Bundesanleihen und durch weitere Aufkäufe von Hypothekenbriefen $1 Billion in die kränkelnde US-Wirtschaft pumpen. Dennoch warnten Experten davor, dass andauernder Rückgang bei der Nachfrage nach Öl die Gewinne beim Rohöl kurzfristig begrenzen könnte. Reduzierte Nachfrage und steigende Lagerbestände haben dazu beigetragen, dass der Preis für Rohöl von seinem Rekordhoch von über $147 pro Barrel im Juli vergangenen Jahres kräftig zusammengeschmolzen ist. Jedoch hat sich der Ölpreis, der im vergangenen Monat auf unter $35 gefallen war inzwischen im Bereich von $40-$50 stabilisiert, da auch die Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC) die Ölförderung um 4,2 Mio. Barrel pro Tag gedrosselt hat und am Sonntag versprach auf strengere Durchsetzung existierender Beschränkungen hinzuarbeiten.

Technische News

EUR/USD
Nach einer überaus volatilen Kursbewegung am gestrigen Tag bewegt sich der Kurs dieser Paarung beim RSI auf jedem Chart im überkauften Bereich, was auf eine Abwärtskorrektur in den nächsten Stunden schließen lässt. Mit den neuen rückläufigen Crosses des Slow Stochastic auf dem 4-Stunden- und dem Tages-Chart scheint diese Bewegung unmittelbar bevorzustehen. Bei eng gesetzten Stopps zu verkaufen könnte heute die richtige Wahl sein.

GBP/USD
Der Kurs dieser Paarung scheint bei RSI auf dem Stunden-Chart sich im überkauften Bereich zu bewegen, was besagt, dass eine Abwärtskorrektur in naher Zukunft stattfinden könnte. Jedoch lässt ein zinsbullisches Cross des Slow Stochastic auf dem Stunden-Chart genau den gegenteiligen Schluss zu. Es könnte sich heute als klug erweisen auf klarere Signale zu warten bevor bei dieser Paarung in den Handel eingestiegen wird.

USD/JPY
Die gestrige volatile Abwärtsbewegung hat diese Paarung in den überverkauften Bereich des RSI auf dem Stunden- und 4-Stunden-Chart eindringen lassen, was auf eine in kürze bevorstehende Aufwärtskorrektur hindeutet. Der heftige Durchbruch des unteren Grenzbereichs der Bolliger Bands auf allen Charts deutet auf Aufwärtsdruck hin. Zu kaufen könnte heute eine kluge Entscheidung sein.

USD/CHF
Diese Paarung durchlief jüngst eine kräftige Abwärtsbewegung und hat seitdem angefangen sich in einer neuen Handelsspanne zu stabilisieren. Der Kurs dieser Paarung bewegt sich beim RSI auf dem Stunden- und 4-Stunden-Chart im überverkauften Bereich, was darauf hindeutet, dass es noch genug Raum für eine Aufwärtskorrektur geben könnte. Das jüngste zinsbullische Cross auf dem 4-Stunden-Chart unterstützt diese Annahme. Zu kaufen könnte heute eine kluge Entscheidung sein.

Die Wild-Card

NZD/USD

Diese Paarung hat relativ klare Signale hinsichtlich ihrer bevorstehenden Bewegung vermittelt. Mit dem Kurs, der beim RSI auf allen Charts sich im überkauften Bereich bewegt und einem neuerlichen rückläufigen Cross des Slow Stochastic auf dem Tages-Chart, scheint eine bevorstehende Abwärtskorrektur im Entstehen zu sein. Forex -Händlern bietet sich die Gelegenheit sich dieser Bewegung, zu einem frühen Einstiegszeitpunkt anzuschließen und die Chance auf gute Gewinne zu nutzen.

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